Am 3. Tag in Weimar sind wir dann endlich auch in ein Museum gegangen, welches eher nach Wills Geschmack war. Er fand auch die bisherigen Museen nicht schlecht, aber archäologische oder geschichtliche Museen sind dann doch eher sein Fall. Also ging es ins Museum für Ur- und Frühgeschichte Thürigens.

Ich kann diesen Museen eher weniger abgewinnen, liegen da für mich doch eher die hundertsten Speerspitzen und Töpfe und Skelette nebeneinander. Will findet das total faszinierend und schaut mich immer ganz entsetzt an, wenn ich sage, dass die doch alle gleich aussehen. Aber nein, man müsse doch einfach genau hinschauen und das war doch in dieser Zeit und das in jener.

Ich muss aber sagen, das Museum war sehr interessant aufgebaut, trotzdem bin ich durch die 2 Stockwerke dreimal so schnell durchgelaufen wie Will. Ich habe viele Bilder gemacht (siehe Diashow) und habe mich dann am Ende hingesetzt und auf ihn gewartet. Die ganzen geschichtlichen Zeitepochen bekomme ich einfach nicht in mein Hirn und auch die Berichte der Ausgrabungen und wo man was gefunden hat…….das wäre ja echt nichts für mich. In stundenlanger Kleinarbeit irgendwelche Tonbröckchen irgendwo ausgraben und dann in der Werkstatt noch stundenlang zusammensetzen und restaurieren. Ich bin doch soooo ungeduldig.
Will hingegen finden Archäologie super spannend (man kann sich vorstellen, dass unsere unterschiedlichen Charaktere manchmal kräftig aufeinanderprasseln…..ich langweile mich doch so schnell und er kann einfach diese Ruhe aushalten und nimmt sich Zeit……wobei ich wirklich versucht habe mich selbst in Weimar sehr zu entschleunigen und ich muss sagen, es hat eigentlich ganz gut geklappt)
Auf dem Rückweg vom Museum hat es natürlich richtig geregnet und wir Helden sind morgens ohne Regenschirm oder Jacke aus dem Haus, da der bewölkte Himmel GAR nicht auf Regen hingewiesen hat. So sind wir dann im Eilschritt ins nächste Restaurant geflüchtet und haben da Mittag gegessen und unsere nächsten Schritte geplant.
Nach der nötigen Mittagsruhe wollte ich unbedingt ins Goethe- und Schiller Nationalarchiv. Ich bekam von dem Gedanken schon allein Herzklopfen, dass da überall Originalschriften von beiden Autoren und noch weiteren berühmten Dichtern rumlagen und ich diese nach Lust und Laune anschauen konnte. Also sind wir mit 2 Regenschirmen ausgestattet dort hingelaufen. Schnellen Schrittes bin ich durch dieses Eisentor

Und stand dann endlich vor dem Archiv.

Beim Eintreten hätte mich eigentlich schon stutzig machen sollen, dass es nichts kostet. Sonst hat alles in Weimar ziemlich viel gekostet, wenn es um Museen ging. Hier zeigte uns der nette Herr nur, wo wir unsere Rucksäcke und Schirme aufhängen sollten.
Ja, ich hatte mich schon vorher informiert, was dieses Archiv ist und habe gelesen, dass dort momentan eine Ausstellung über den Komponisten Franz Liszt war.

Mir war aber nicht klar, dass das eigentlich alles war, was man als Sterblicher dort sehen konnte. In diesem einen Ausstellungssaal wechseln immer die Schriften der Personen, die dort ausgestellt werden. Die Glaskästen sind auch mit Filzdecken zugedeckt, die man immer nur kurz aufmachen soll, damit die Originalschriften geschützt werden.
Natürlich war es interessant ein paar Originalstücke von Franz Liszt zu sehen, aber im Goethe und Schiller Nationalarchiv, wollte ich eigentlich etwas Anderes sehen. Nach 10 Minuten waren wir dann auch schon durch und es ging wieder runter zum Pförtner. Den musste ich dann nun doch fragen, was ich den anstellen müsse, damit ich mal die Originalschriften sehen kann………eine Option wäre, so erklärte mir der nette Mann, wenn ich z.B. Ein Buch schreiben würde und bräuchte Infos über Goethe oder Schiller und konkrete Briefe oder ähnliches, dann hätte ich evtl. die Chance eingeladen zu werden und ein paar Originalschriften anzuschauen. Na toll, muss ich also doch irgendwann mal ein Buch schreiben.
Auf dem Rückweg sind wir dann noch ins Stadtschloss von Weimar. Lust hatte ich eigentlich gar keine mehr, war ich doch immer noch ein bisschen gefrustet von meinem Archiverlebnis (hatte ich mich doch sinnbildlich schon in Originalschriften wälzend gesehen), aber wir sind dann doch noch hinein.
Und Holla die Waldfee, war ich mal froh, dass ich nicht schon unten bei den tausenden von Heiligenfiguren aufgegeben habe (ich hatte Will eigentlich schon gesagt, dass ich keine Lust mehr auf den 2. Stock hatte…….mich hatte bereits dieses typische Phänomen eingeholt, wenn man einfach viel zu viel Input hat….ah ja, ein einzigartiges Gemälde aus der Barockzeit, und ein Madonnenschrein aus der Hand des Papstes? Gähn, gibt es nicht noch was Spannenderes?)
Im 2. Stock standen wir dann nämlich in einem riesigen Ballsaal. Die Bilder können diesen Prunk und die Größe einfach gar nicht wiederspiegeln. Es war echt der Hammer. Nicht umsonst steht in den Beschreibungen (die ich mir vielleicht vorher mal hätte durchlesen sollen, aber ich war ja zu sehr auf die Dichter konzentriert), dass die Prunkräume mit Festsaal, die große Galerie und die Dichterzimmer zu den schönsten Europas gehören.

Und da wurde echt nicht gelogen. Man konnte fast fühlen, wie die Leute damals auf prächtigen Bällen durch den Saal getanzt sind.


Richtig beeindruckend waren die Dichterzimmer, u.a. Ein Goethezimmer und Schillerzimmer. Die sieht man unten in der Diashow. Die Gemälde an den Wänden zeigten wichtige Szenen aus den Werken der Dichter. Wahnsinn.
Aber, was für ein Prunk und Überfluss, dieses Zeigen müssen von Geld und Ansehen.


