Bevor wir nach Weimar gefahren sind, haben wir natürlich schon einiges recherchiert und im Internet angeschaut und sind so auf die Weimar card gestoßen. Viele größere Städte bieten diese Karten ja bereits an, denn mit ihnen kann man in viele Museen und Ausstellungen gehen und Geld und Zeit sparen. Wir haben uns die Karten nach Hause schicken lassen, weil wir dachten, dass wir so nicht erst ins Tourismusgeschäft in Weimar gehen müssten. Das war im Nachhinein total sinnlos, weil wir durch die super zentrale Lage des Hotel Elephants direkt am Marktplatz wohnen und dort auch das Tourismusbüro ist. Hier noch einmal eine kurze Hyme auf das Hotel (siehe Teil 1), denn man wohnt so zentral, dass wirklich alles in alle Richtungen zu Fuß begehbar ist. Wir haben Glück und diese Woche ist es nicht wirklich extrem heiß, genau richtig, um Dinge in der Stadt zu erkunden, aber bei richtig heißen Temperaturen wird es im Hotel etwas ungemütlich, denn, bei so einem alten traditionsreichen Haus, sucht man die Klimaanlage vergebens.

Aber nun zurück zur Kultur. Da wir die Weimarkarte „nur“ 48 Stunden hatten, mussten wir im Vorfeld genau überlegen, ab wann wir sie einsetzen würden. Aus diesem Grund haben wir an unserem Ankunftstag viele Sachen abgelaufen, die man nur von außen betrachten konnte oder die nicht in der Weimar Karte enthalten waren.
So auch die Anna Amalia Bibliothek, für die man sich eigentlich im Vorfeld Karten reservieren sollte, das hatten wir aber versäumt und sind deshalb am Dienstag direkt morgens hin und hofften auf Karten an der Tageskasse. Die Bibliothek liegt direkt hinter dem Hotel, wir mussten also wirklich nur über den u.a. Platz laufen, vorbei an der Hochschule für Musik, aus der an allen Ecken klassische Musik ertönte und schon waren wir da.


Wir hatten Glück und konnten noch Karten für den 10 Uhr Einlass bekommen. Wie schon erwähnt, die Anna Amalia Bibliothek ist nicht in der Weimar Card enthalten und auch nicht gerade billig, aber es war es mir wert.
Wenn man in Weimar ist, begegnet einem der Name Anna Amalia immer wieder. Es gibt Hotels, Restaurants und Museen mit ihrem Namen. Das liegt daran, dass ohne diese Dame Weimar gar nicht dieser besondere Ort der Literatur und Künste allgemein geworden wäre. Anna Amalia, Herzogin von Weimar und Umgebung, musste in jungen Jahren die Regierungsgeschäfte übernehmen, da ihr Mann verstarb und ihr Sohn viel zu jung war, um die Geschäfte zu übernehmen. Sie war aber gleichzeitig eine Frau der Künste und man sagt heute, dass es die Weimarer Klassik (eine Literaturepoche, die eigentlich nur durch Goethe und Schiller, die in Weimar zusammen gekommen waren, entstanden ist) ohne sie gar nicht gegeben hätte. In ihren Tafelrunden trafen sich ab 1775 regelmäßigen die „großen Denker und Dichter“ und diskutierten über so einiges. Im Bild unten sieht man die Dame.

Durch diese Tafelrunden wurde Weimar ein Zentrum der Kultur, Anna Amalia gründete das Deutsche Schauspiel in Weimar und so siedelten sich immer mehr Dichter in Weimar an. Aus diesem Grund ließ sie auch das ehemalige Renaissance Schloss in eine Bibliothek umbauen. Der Rokokosaal dort ist bestimmt einigen von euch schon von Bildern bekannt.
Ihr könn euch vorstellen, dass ich den Saal mit eigenen Augen sehen wollte, Bücher, soweit das Auge blickt und dann noch so stilvoll umrandet….ein Traum. Nicht umsonst sage ich immer wieder, dass mein heimlicher Traum das Eröffnen eines kleinen Buchladens ist. Natürlich ohne die Aussicht damit wirklich Gewinn zu machen, so was geht leider heute nicht mehr. Und dann dort mit Menschen sitzen und über Literatur diskutieren, Scheitern tut das natürlich an der Realität und daran, dass ich momentan eigentlich gar nicht mehr lese. Die Muse ist mir ja, wie schon geschrieben, irgendwie abhanden gekommen. Trotzdem verbinde ich noch immer sehr viel mit Büchern, liebe den Geruch…..das erinnert mich immer wieder an das Öffnen von Buchpaketen während meiner Ausbildung im Buchladen, dieser Geruch von frischgedruckten Büchern. Traumhaft.
Aber nun zurück zum Saal. Wirklich sehr beeindruckend. Man watschelt überwiegend durch diesen, grazil laufen ist hier absolut nicht angesagt, denn man muss die überdimensionalen großen Hausschuhe über seine Schuhe ziehen, die eigentlich nur eine rutschende Fortbewegung zulassen.


Und ja, ich habe da meinen Kopf mit ins Bild geschmuggelt, damit ich mir dann wirklich selbst beweisen kann, dass ich auch da war. Ein Kollege in der Schule, mit dem ich auch über Facebook befreundet bin, sagt mir immer, dass meine Bilder, die ich da so poste, ja gar nicht so schlecht wären, wäre da nicht immer mein überdimensional großer Kopf, der vorne am linken oder rechten Bildrand zu sehen ist. Lieber Lieblingskollege, mein Kopf, der ist da immer, weil ich nicht will, dass der Rest meines Körpers auf diesen Bildern zu sehen ist. Glaubt mir, auch das habe ich schon probiert…der arme Will….machte ungeahnt immer wieder Bilder von mir……schrecklich…..meine mittige Körperausdehnung hat sich überproportional zu dem Rest entwickelt und da bleibt es dann doch lieber bei dem Riesenschädel, der am Rande vieler Fotos zu sehen ist.
Ich schweife ab, schrecklich, vielleicht liegt es daran, dass es gerade in Weimar regnet und wir eine Pause im Hotelzimmer einlegen, bevor es gleich zum Goethe und Schillerarchiv geht. Also habe ich etwas Zeit. Zeit, die Bücher unten noch einmal zu betrachten….dicke Wälzer waren da in der Bibliothek zu finden.
Und natürlich Goethe und Schiller , wie sollte es denn auch anders sein.


Leider kann man nur von unten die verschiedenen Etagen des Rokokosaal betrachten, aber besser als gar nichts.
Was mich aber viel mehr bewegt hat, man glaubt es kaum, war die Ausstellung über das Feuer in der Anna Amalia Bibliothek im Jahre 2004……wie schrecklich das für die Menschen, die dort die Bücher gesammelt und restauriert haben, gewesen sein musste. Ausgelöst wahrscheinlich durch einen Kabelbrand im Dachboden stand die Bibliothek in Flammen. 50 000 Bücher sind verbrannt und 118.000 mit Brand- und Löschwasserschäden geborgen. Viele Helfer schafften es in dieser Nacht die Bücher in Sicherheit zu bringen, einige wurden sofort gefrier getrocknet andere direkt gereinigt.
Ich habe mal ein paar Bilder unten reingestellt (das ist eine Diashow….mal was Neues hier im Blog ausprobieren)
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Was da für Schätze in dieser Nacht verbrannt sind, unglaublich. 10 Jahre hat es gedauert, den Saal und viele Bücher zu restaurieren, man ist immer noch nicht fertig. Viele Erstausgaben sind verbrannt.
Eine für mich sehr beeindruckende Bibliothek. Leider konnten wir nicht in diesen Lesesaal….ich glaube ich hätte Schnappatmung bekommen. Aber Will hat mir versprochen, dass er mir, wenn wir groß und berühmt sind, so etwas baut. Na dann kann ja nichts mehr schief gehen.